Heute Morgen bin ich mit dem krassen Gefühl aufgewacht, dass ich seit 2,5 Jahren mit meinem Leben pausiere.
Ausgelöst wurde das Gefühl ganz aktuell durch einen familiären Vorfall. Seit über einer Woche liegt meine Tante im Koma. Als ich noch klein war, da war sie quasi meine Ersatzmutter. Ich lebte fast elf Jahre lang mit ihr und meinen Großeltern in Kroatien – meine Eltern arbeiteten in Deutschland.
Ich besuche sie fast täglich – auf der Intensivstation. Im selben Krankenhaus, in dem meine Eltern vor 2,5 Jahren starben. Das erste mal als ich sie besucht habe war mit richtig schlecht. Und seitdem zickt mein Magen. Der Stress – ich bin im Widerstand. Es fühlt sich an, als wäre zwischen damals und heute keine Zeit vergangen. Als wären 2,5 Jahre nur eine ganz lange Pause zwischen einem Gefühl der Ohnmacht und dem nächsten. 2,5 Jahre, in denen ich durch chronische Gesundheitsthematiken ausgeschaltet und auf Pause gesetzt wurde.
Es gibt Wiederholungen auf die man einfach keinen Bock hat.
Erneut in den Schlund meines Traumas blicken. In den Verlust dessen, was mir lieb ist. Mit dem Auto denselben Weg ins Krankenhaus fahren, den ich zwei Monate lang fast täglich fuhr als meine Eltern teilweise gleichzeitig dort im selben Krankenhaus lagen bis sie dort gestorben sind. Warum genau jetzt, wo ich mich gerade mühsam wieder etwas aufgerichtet habe?
Ich habe dennoch die stille Hoffnung darauf, dass das auch eine versteckte Chance sein könnte. Eine Chance, etwas abzuschließen. Diesen Schrecken endgültig hinter mir lassen. Den Verlust meiner Eltern befrieden. Das Krankenhaus seiner Schuld entbinden.
Meine Teta (Tante) Tonka, die jüngste Schwester meines Vaters, ist sozusagen die letzte lebende Bastion meiner Kindheit. Sie ist ganz subjektiv betrachtet, nicht immer nur nett zu mir gewesen. Ein kantiger Charakter, besserwisserisch. Immer einen kessen, ermahnenden Ratschlag oder eine meist angstkreirende Meinung auf der Lippe.
Doch vier Tage vor ihrem Koma rief sie mich an und sagte mir gefühlt aus dem Nichts folgende Worte:
‘ Du sollst dir nicht immer Sorgen machen um andere. Das ist nicht gut für dich. Denke weder an die Vergangenheit noch an die Zukunft. Lebe im Jetzt. Ich habe meine Zeit gelebt, doch Du hast noch vieles vor dir. Denke an dich selbst am Allermeisten. Hab Freude am Leben. Ich habe keine Kinder bekommen können, aber Du hast einen wundervollen Sohn. Unsere ganze Familie neigte leider dazu, sich immerzu Sorgen zu machen. Das macht einen krank. ’
Soll das ihre letzte Botschaft für mich gewesen sein? Das letzte Geschenk?
Ich hoffe nicht. Gerne würde ich anknüpfen und mir noch vieles aus meiner frühen Kindheit erzählen lassen. Für mich weitere wichtige Schlüsse ziehen und diese „Sorgenschleifige Familiengeschichte“ zu etwas Neuem wandeln.
Kommen wir zurück zur besagten 2,5-jährigen Pause in meinem Leben. Diese Pause, dieses körperlich nicht mehr fähig zu sein, mein Leben weiter so zu gestalten, wie ich es gewohnt war, zwang mich ja geradezu ins JETZT. Nur dieses JETZT war sehr unbequem, fordernd, schmerzhaft und lähmend.
Natürlich ist es dann sogar ein scheinbarer Ausweg sich aus solch einem Jetzt heraus zu flüchten. Gerne auch mal mit noch mehr rückwärts- und vorwärtsgewandten Sorgen.
Sich Sorgen machen ist also auch nur eine Ausflucht.
Eine Flucht aus einem unaushaltbaren Jetzt.
Aus einem schönen Jetzt wollen wir ja eher selten flüchten. Das wollen wir gerne auskosten, ausdehnen und festhalten. Doch manchmal ist auch das ordentlich verdreht. Nämlich dann wenn unser Nervensystem so fehlreguliert ist, dass wir sogar aus einem schönen Moment flüchten wollen weil wir ihn nicht ertragen können. Weil wir Angst um ihn bekommen.
Es gilt daher den schönen Moment immer mehr zu tragen und verkörpern zu lernen.
Im letzten Monat ging es bei mir deutlich körperlich bergauf. Ich bin fitter, mein Nacken ist stabiler und ich komme immer mehr in die Freude zurück. Die biomechanischen Aufrichtungsübungen finde ich zugegebenermaßen manchmal auch langweilig und anstrengend. Doch glücklicherweise kann ich inzwischen vieles davon direkt in meinem Alltag umsetzen. Und das liebe ich. Es ist praktisch und unterstützt meinen Körper dort, wo er es am dringendsten braucht – in seiner täglichen Bewegung und Aktion.
Ich sitze anders. Ich laufe anders. Ich stehe anders. Ich schlafe anders.
Bewusster.
Dort, wo mehr und tieferes Körperbewusstsein zu mir zurückkehrt, kehrt auch wieder reiferes geistiges Bewusstsein über die eigenen Gedanken und Gefühle zu mir zurück. Natürlich funktioniert das auch vice versa.
Im Augenblick jedoch, da erforsche ich die Auswirkungen meiner körperlichen Wiederaufrichtung und Re-Kalibrierung auf mein geistig-seelisches Kontinuum einfach etwas intensiver. Und das ist gut so. Mein Körper freut sich.
In der Schauspielausbildung haben wir uns damals viel mit der eigenen Körpersprache auseinandergesetzt. Haben Rollen ausgearbeitet, indem wir gewisse Körperschemata übertrieben ausgeführt haben und dann beobachteten was es mit dem Charakter und den Gefühlen der Figur macht.
Je mehr ich über die Biomechanik des Körpers und ihre Geheimnisse lerne, umso mehr erschließt sich mir eine neue Welt. Ich beobachte Menschen wie sie sich bewegen, wie sie stehen und gehen und ich lese in ihnen wie in einem Buch.
Es ist eine Katastrophe. So vielen Menschen geht es nicht gut.
Zum Teil bemerken sie es leider nicht einmal. Noch ist es zu unterschwellig. Reift im Hintergrund heran.
Unsere heutige Lebensweise ist so weit von unserem natürlichen Bewegungsdrang entfernt. Und wir beginnen schon in der Kindheit unsere natürlichen Bewegungsmuster sukzessive zu zerstören. Und irgendwann sind wir so verdreht, krumm, bewegungseingeschränkt und -gestört, dass wir gar nicht mehr wissen, wie wir jemals da heraus kommen können.
Doch es gibt Wege. Biomechanik ist nur einer davon.
Falls Du noch nicht losgegangen bist deinen Körper zu erforschen, vielleicht ist die Zeit dafür jetzt reif?!
Mach dich auf die Suche nach deinem eigenen Körperweg.
Aktiviere dein Körperbewusstsein!
… und wie Du das selber angehen kannst, welche neu aufkeimenden Ideen und nächsten Schritte mich immer mehr zurück in mein Körperbewusstsein und Wirken führen – ob Biomechanik etwas damit zu tun hat und wie die Geschichte mit meiner lieben Tante Tonka und unserer „sorgenschleifigen Familiengeschichte“ weitergeht – liest Du im kommenden Blog-Beitrag …







