Ich möchte mich ganz gewiss nicht in einer ‘Krankheit’ einnisten. Egal wie lange sie gereift ist. Egal welchen Namen sie bekommen hat. Ich will ihr aber da sie schon mal da ist, die Ehre erweisen sie aus der Nähe kennen zu lernen, und das was sie mir bringt erkennen. Sie ist nicht böse und vielleicht nichtmal willkürlich. Sie muss mir etwas mitgebracht haben was ich brauchte. Auch wenn ich glaube dass ich es nicht bestellt habe.
Wie die alten Schamanen so schön sagten: Welches Geschenk bringt dir deine Krankheit wirklich ?
Geschenke gilt es zu entpacken.
Das ist nicht so einfach, denn dieses Geschenk hier ängstigt. Es ist anhänglich und 24 Std. aktiv darin mich inaktiv zu machen.
Es verstecken oder versuchen es loszuwerden um dennoch wieder darüber zu stolpern funktioniert nicht.
Es ignorieren und nur ganz heimlich wieder mal kurz hinsehen wäre vielleicht mal erholsam doch ist es viel zu laut um es zu übersehen.
Es muss tiefere und weitere Wurzeln haben auch wenn es erst am 18. März 2024 mit einem schmerzhaften Blitz in meinem Hinterkopf zu beginnen scheint.
Dieses ‘Ungetüm’ an Geschenk sitzt mir seitdem mal mehr mal weniger im Nacken, in den Knochen, im Magen, im Herz und im Nervensystem. Es zwingt mich in die Knie, entfacht Schmerztiraden, Kreislaufeskapaden und Magenprobleme. Lässt mich nicht schlafen, nicht arbeiten, nicht lachen.
Alle heilenden Hände die meinen Körper berühren rätseln. Mein Körper, er verhält sich sperrig, eingefroren und auf jeden auch nur kleinen ‘Hauch von Berührung’ reagiert er als wären Armeen von trampelnden wilden Tieren seiner habhaft geworden.
Alles, selbst Essen und aufs Klo gehen erschöpfen.
Der Schlafmangel, die Erschöpfung, die Herzrhythmusstörungen, die Übelkeit, die Schmerzen, der Schwindel bei jeder Bewegung schwächen mich von Tag zu Tag. Die Kilos purzeln, die Hoffnung schwindet. Und mein Bett ist ein Schiffsgefängnis unter Deck auf bewegter See und sich drehenden Winden ohne Sonnenschein.
Zwischen Hoffnung und Trauer, Mut und Verzweiflung trieb dieses Schiff nun beinahe 2 Jahre auf offener See.
Der Anfang der ein Ende war.
Meine Mutter starb Ende 2023, dann 3 Wochen später mein Vater. Sie gaben sich die Hand. Und ich blieb nun endgültig mit leeren Händen hier, mein kleines Mädchen Herz am verbluten. Alte aufgerissene Wunden des im Alter von ein paar Monaten verlassenen Kindes nahmen sich nun Zeit und Raum um sich in all ihrer Wucht zu offenbaren.
Covid besuchte daraufhin mein verlassenes verletztes wehrloses Kind und saugte zusätzlich ordentlich an meiner noch vorhandenen verletzten Kraft.
Uralte Ahnenpfade zerschellten in meinen Zellen und erzählten von Leid, Verzweiflung und Ohnmacht. Von Frauen, die sich aufopferten, sich selbst vergaßen. Ich mitten drin.
Meine eigene Geschichte, Wut und Trauer explodierte in meinen Muskeln. Nervenfeuerwerke hielten mich selbst in meinen Träumen wach.
Mein Körper hat wohl war viel erlebt und gehalten. Unfälle, Trauma, Trennung, Geburt. Auch fremde Geschichten aus Reisen zur Medizin für die vielen Menschen auf meinem Weg.
Meine Seele die aber ist frei, selbst jetzt wo ihr Körperzuhause scheinbar bröckelt. Das Bröckeln selbst tut weh.
Es ist ein Reifeprozess.
Erkenntnisse stellen sich immer wieder ein, manchmal auch sehr langsam. Das Annehmen ist ein wichtiger Akt dabei.
Mich so annehmen. Die starke Medizinfrau darf auch schwach sein. Darf ihre verwundbare Tiefe verkörpern. Ihre Körperin neu erleben und erkunden.
Ihre weibliche Würde ungeschminkt der Welt zeigen.
Auf diesem Weg liegen wunderbare Begegnungen, Unterstützung, Gebete. Meine Menschen um mich sind sehr stark.
Ich weiß ich bin es auch. Selbst jetzt wo ich es kaum mehr fühlen kann.
Gemeinsam mit meinem verwundeten Körper, dessen Zellen ursprüngliches Licht ersehnen, schreite ich mutig voran.
…wie es weiter ging und geht, liest Du im nächsten Blog-Beitrag.


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